Chinesen in Thailand: Mehr als Minderheit

Die Chinesen sind da! Und das nicht erst seit gestern, sondern seit einigen hundert Jahren in Thailand.

So etwa sieht es bei Chinas Militärparaden auch aus: Kohorte um Kohorte zieht lärmend unter wehenden Fahnen durch Pattayas Walking Street und über den Balihai Pier. Allerdings sind die Fahnen nicht nur rot, sondern bunt und nicht in den Händen von Soldaten, sondern von Reiseführern. Und die „Waffen“ sind nur Baht und Kamera. Die Chinesen sind da! Und das nicht erst seit gestern, sondern seit einigen hundert Jahren in Thailand.

Chinesen und Thais verbindet eine viel längere Geschichte als die vergangenen Jahre, in denen die Chinesen zur wichtigsten und größten Touristengruppe in Thailand geworden sind. Die heutigen Erkenntnisse der Frühgeschichte lassen vermuten, dass die thailändischen Ebenen einst von Völkerwanderern aus dem Gebiet des heutigen südlichen China besiedelt wurden. Die wechselvolle thailändische Geschichte, dieser ewige Kreislauf von Grenzveränderungen, gegenseitigen Eroberungen und Bevölkerungsmigrationen mit den Nachbar-Ethnien aller Himmelsrichtungen rund um „Siam“ hat im Laufe der Jahrhunderte jedoch längst eine eigenständige thailändische Identität entstehen lassen. Dennoch ist heute das Chinesische eine starke und wahrnehmbare Minderheitenkultur in Thailand. Das liegt allerdings nicht an den Wanderungsbewegungen vor Jahrtausenden, sondern an der stetigen Migration von Chinesen in den letzten Jahrhunderten. Und diese chinesische Migration nach Thailand ist geradezu ein Abbild chinesischer Geschichte der Neuzeit bis heute.

Kamen Chinesen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch als gesandte Handelspartner eines starken Kaiserreiches nach Thailand, so waren die nachfolgenden Migranten über mehr als ein Jahrhundert lang eher Flüchtlinge vor dem chinesischen „Luan“ – dem Chaos in ihrem Reich, wie die Chinesen die Zeit des kriegerischen Imperialismus des Westens und der Japaner auf ihrem Boden, der Schwäche des eigenen Systems zum Ende des Kaiserreiches, aber auch der blutigen Bürgerkriege und der zerstörerische „Kulturrevolution“ bezeichnen. In diesen Zeiten von Hungersnöten und Gewalt, von stetig wechselnder staatlicher Ordnung, von fehlenden Verlässlichkeiten und mangelnden Zukunftsperspektiven, fand ein millionenstarker Exodus von Chinesen statt – in alle möglichen Länder rund um die Welt. Und von San Francisco bis Bangkok entstanden die noch heute existierenden China-Towns, also Stadtviertel oder Ghettos, in denen die Chinesen ein Stück Heimat, aber vor allem die Kraft und den Rückhalt fanden, sich und ihren Familien gemeinsam mit ihren Landsleuten etwas Neues fern vom Reich der Mitte aufzubauen.Die chinesischen Migranten in Thailand beschränkten sich jedoch keineswegs auf ihren Mikrokosmos Chinatown, sondern begannen überall dort, wo es sich für sie lohnte, mit ihren wirtschaftlichen Aktivitäten. Während in den USA hunderttausende ihrer Landsleute als Arbeiter beim Bau der transkontinentalen Eisenbahnen ihr hartes Brot verdienten und oft mit dem Leben bezahlten, stellten sich viele der „thailändischen“ Chinesen perfekt auf ihr agrarisch orientiertes Gastland ein und stießen in die ökonomische Lücke, die die Thais ihnen ließen: Handel, Warentausch, Transport.

Chinesischer Tempel in Chon Buri: Jahrhundertelange Assimilation.

Vorbehalte, Ressentiments und Widerstand gegen die Chinesischstämmigen in Thailand gab es dennoch immer wieder in der neueren Geschichte. So wurden sie – wie starke und wirschaftlich erfolgreiche Minderheiten in anderen Gesellschaften anderswo auch – gelegentlich in politischen oder ökonomischen Krisen Thailands zu Sündenböcken erklärt oder zur Zielscheibe von nationalistischer oder rassistischer Propaganda. Trotzdem erarbeiteten sich die ethnischen Chinesen über mehr als zwei Jahrhunderte in Thailand eine Stellung im Wirtschaftsleben, die heute von Ökonomen wohl als „systemrelevant“ bezeichnet werden würde.

Sie assimilierten sich dabei so viel wie nötig: erlernten die Sprache, respektierten Kultur, Staatswesen, Traditionen und Gepflogenheiten der Thais, heirateten auch ethnische Thais und nahmen schließlich auch deren Staatsbürgerschaft an.

Sie blieben aber den chinesischen Traditionen, dem Glauben und der Kultur so verbunden wie möglich: niemals gaben sie ihre Muttersprache auf, altchinesischen Gaumenfreuden geben sie bis heute Vorrang vor der viel zu scharfen Thai-Küche, sie bauten und pflegen ihre eigenen Tempelanlagen und Begräbnisstätten. Und die Thais ließen das auch zu. Noch heute zeugt davon der für mich sehr beeindruckende, riesige chinesische Friedhof in Chon Buri – einst gebaut vor den Toren dieser Industriestadt, heute aufgrund der Stadtentwicklung mitten drin.

Chinesischer Friedhof in Chon Buri: Gräber bis zum Horizont mitten in der Stadt.

Der gegenseitige Respekt und die Überzeugung, dass letztendlich alle von der friedlichen Koexistenz und der Zusammenarbeit profitieren, hat sich heutzutage durchgesetzt und sorgt für die starke Stellung der ethnischen Chinesen in der thailändischen Gesellschaft. Und diese Stellung wird derzeit noch wichtiger. Denn in China ist nicht nur die Kulturrevolution längst Geschichte, sondern China ist auf ökonomischem Weltniveau angekommen. Vorbei die Zeiten, in denen dort nur kopiert und billig produziert wurde. China ist ein dynamischer Innovationsstandort und längst nicht mehr nur als verlängerte Werkbank an internationalen Wertschöpfungsketten beteiligt. Seit den Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping hat sich China extrem entwickelt. China „is thinking big“. Und tut es auch. Mit klarer Strategie in Peking und vielen daran ausgerichteter Projekte in den Regionen hat sich China in Rekordzeit gewandelt. Ausgestattet mit Eigenkapital bei Staat und Unternehmen. Mit dem unbedingten Willen zum Erfolg, aber auch mit einem brutalen Erfolgsdruck von oben nach unten. Projekte werden in Rekordzeit vorangetrieben, Flops in Kauf genommen. China litt lange unter seiner Größe, was auch ursächlich für die Migrationswellen war. Innerhalb einer Dekade hat es seine Größe ökonomisch zu einer Stärke gedreht. Längst ist ein gutverdienender Mittelstand entstanden: das Rückgrat der chinesischen Wirtschaft und der anhaltend hohen Binnenkonjunktur, die übrigens auch für deutsche Exporterfolge sorgt. Auf dieser Basis steigt China mit dynamischer Innovationsförderung und der unvergleichbaren Internationalisierungsoffensive seiner „Belt- und Roadpolitik“ endgültig zu dem Global Player neben den USA und der EU auf.

Und das hat auch in mindestens dreifacher Hinsicht Auswirkungen auf Thailand:

Zum einen hat die thailändische Regierung den früheren roten Angstgegner China als Partner entdeckt, um Defizite bei Infrastruktur und Innovation wettzumachen und um politisch unabhängiger von den – so empfinden es nicht wenige Thais aus dem Machtapparat – ewig an Thailand rumnörgelnden westlichen Demokratie zu werden.

Zum zweiten investieren in China reich gewordene Chinesen – auch und insbesondere derzeit die aus Hongkong – ihr Geld gerne im Ausland. In Thailand fühlen sie sich besonders willkommen und verstanden. Denn hier treffen sie mit ihren ethnischen Verwandten auf Geschäftspartner, die nicht nur wirtschaftlich vor Ort eine Macht sind, sondern auch noch ihre Sprache sprechen und denen ihre Kultur nicht fremd ist. Dienstleister und staatliche Stellen, die mit dem Matchmaking zwischen Thais und Chinesen ihr Geld verdienen, kommen derzeit gar nicht nach mit Aufträgen. An Bangkoks Sukhumvit etwa befinden sich manche Bürogebäude, in denen quasi den ganzen Tag nichts mehr anderes gemacht wird, als Deals zwischen Chinesen und Thai-Chinesen zu verhandeln. Vertreter beide Gruppen geben sich dort zurzeit quasi ständig die Klinke in die Hand. Und auch die steigenden Immobilienpreise in Bangkok und der nicht abreißende Bauboom dort – aber auch auf Phuket und in der Region Pattaya – haben damit zu tun. Chinesen kaufen Condos in Thailand wie andere Souvenirs. Nicht unbedingt, um darin zu wohnen oder damit eine direkte Rendite zu erzielen, sondern um einfach erstmal Geld anzulegen. Apropos Geld: manche Chinesen bringen auch einfach nur Bares nach Thailand, ohne damit zu wirtschaften. Das dürfte übrigens eine Ursache für die anhaltende Baht-Hausse sein, unter der Urlauber, aber vor allem thailändische Exporteure von Reis und Industriegütern zurzeit so sehr leiden.

Und zum dritten – und damit kehren wir dann wieder an Pattayas Bali Hai Pier zurück – hat die chinesische Mittelschicht genug Geld und Interesse, um Urlaub außerhalb Chinas zu machen. Thailand – mit zwei bis vier Flugstunden quasi vor der chinesischen Haustür – war eines der ersten Länder, dass der Mittelstand als Destination entdeckt hat. Und ist weiterhin begehrtes Reiseziel.

Eine Seefahrt, die ist… gelegentlich anstrengender als man denkt. Chinesen am Pattaya Beach nach einem Insel-Trip.

Nicht alle, aber die meisten Chinesen buchen ihren Thailand-Urlaub als Gruppenreise. Das verstärkt bisweilen an bestimmten thailändischen Destinationen – eben etwa am Bali Hai Pier oder in der Walking Street – den Eindruck, sie hätten das Land fest in ihrer Hand. Zumindest manchmal scheint es aufgrund der Großgruppenauftritte so, als seien sogar mehr Chinesen als Thais vor Ort. Was mir dabei immer wieder auffällt: Die Chinesen bleiben meist in ihren Gruppen – stets darum bemüht, ihrem Fähnlein-Träger zu folgen und rechtzeitig zum nächsten Hotspot zu kommen. Als ich mir die Zeit nahm, das Spektakel einmal genauer zu beobachten, absolvierte gerade eine Gruppe die Strecke an den Bali Hai-Pontons zu den farbenfroh erleuchteten Ausflugsbooten am Ende des Piers sogar im mehr oder weniger fröhlichen Laufschritt. Offenbar hatte das pattayanische Verkehrschaos ihren Reisezeitplan durcheinandergefegt und sie hatten Mühe, den gebuchten Ausflugsdampfer pünktlich zu erreichen. Trotz ihres massenhaften Auftritts verbunden mit der raumgreifenden Ausbreitung – besonders im fußgängerischen Gegenverkehr – und der typisch chinesischen Geräuschkulisse wirken die Chinesen jedoch keineswegs martialisch. Ich finde es eher amüsant, die Gruppen zu beobachten. Ich ziehe mich ans Geländer des Pier zurück, rauche eine Zigarette und lasse sie an mir vorbeihetzen: vorneweg die jungen, aufstrebenden Streber-Touris, immer eng am Fahnenträger und darauf bedacht, alles, aber auch wirklich alles an Eindrücken und Infos mitzunehmen, um so das Optimum aus ihrem Thailand-Urlaub herauszuholen. Dann im Mittelfeld und etwas souveräner: Herr Wang und Frau aus der mittleren Oberschicht nebst der etwas beleibten unverheirateten Tochter, deren Mitgift jetzt halt beim Reisen verkonsumiert wird. Direkt neben ihnen die allzeit schnatternde Frauengruppe vom Mobilphone-Headquater in ihrer für westliche Augen außerordentlich geschmacklosen Freizeitkluft mit Blumenmuster, vermutlich Adler-Moden Factory-Outlet. Ganz am Ende der Gruppe und ihrer Kräfte: ein paar Ältere in Trainingsjacken, schwitzend, schnaufend, immer ein Schweißtuch griffbereit und teilweise oben nur noch mit Unterhemd bekleidet. Und noch hinter ihnen: die Sony-Supercam-Besitzer im „I-love-Thailand“-T-Shirt, die einfach nicht genug knipsen oder filmen können und daher stetig hinterherhinken auf der Suche nach der noch besseren Einstellung und dem richtigen Knöpfchen dafür an ihrer Cam.

Ich gestehe, es hat mich in gewisser Weise fasziniert, diese chinesischen Reisegruppen zu beobachten: „Meiers Weltreisen auf asiatisch“ sozusagen. Ich finde sie wahrlich nicht bedrohlich und es wundert mich auch nicht, in Asien auf asiatische Touristen zu treffen. Mir taten sie eher leid, wie sie da so durchgehetzt wurden und sich selbst hetzten. Nicht wenige sah ich übrigens weit vor Mitternacht schon wieder in ihren Fernreisebussen sitzen. Programm ist Programm. Egal, was abends in Pattaya noch los ist.

China Town Gate Bangkok

Auf einem meiner Flüge von China nach Bangkok – als ich die inneren Abläufe einer chinesischen Reisegruppe rund um mich herumsitzend noch etwas genauer studieren konnte – wurde mir allerdings klar, warum die meisten Chinesen so reisen. Und in Shanghai und Shenzhen – zum Beispiel -offerieren sich die offenkundigen Unterschiede einer chinesischen Stadt zu Bangkoks Chinatown und dem Rest von Thailand.

China ist – sagen wir mal – zumindest in den meisten Städten ein sehr aufgeräumtes und übersichtliches Land. Mit klaren und gelernten öffentlichen Verhaltensregeln und bekannten Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. Die Städte haben ihre kleinen, bunten Nischen, aber die sind eher keine Anlaufstellen für den neuen Mittelstand. Das Leben spielt sich in festen und gelernten Bahnen ab, die Halt und Sicherheit und Orientierung geben. Neue, unbekannte Situationen – zum Beispiel in einem Flieger oder noch mehr beim Gang über Pattayas Walkingstreet, Phukets Bangla oder Bangkoks Sukhumvit sind für Chinesen angesichts all der Buntheit, Vielfältigkeit und Unübersichtlichkeit, die Thailands Streetlife sich auch in den Jahren der Militärdiktatur bewahren konnte, eine echte Herausforderung.

Das geht nicht nur Chinesen so. Ich muss zugeben, dass ich mich bei meinem ersten Bangkok-Aufenthalt ebenfalls durch die überbordenden Eindrücke herausgefordert fühlte, auch wenn ich zuvor bereits in Städten wie Berlin lebte oder Städte wie Mumbai besuchte und ich daher gegenüber den Chinesen doch einen gewissen „Vielfältigkeitsvorsprung“ reklamieren würde.

Für Chinesen ist Thailand daher aus ihrem Blickwinkel nicht weniger exotisch und herausfordernd wie für manchen europäischen Ersturlauber. Und Chinesen – zuhause, bei der Arbeit und in der Freizeit ehedem stark als Teil einer Gruppe statt als Individuum sozialisiert – hilft es, die Herausforderung zusammen mit anderen zu meistern. So wie ihre Vorfahren in den China Towns. Deshalb ist es nicht unüblich, dass Chinesen auch im Urlaub gerne auf eine chinesisch geprägte Infrastruktur vom Reiseführer über die Unterkunft bis hin zum Essen zurückgreifen. Aber das tun viele Angehörigen anderer Nationen in den thailändischen Touristenhochburgen ja genauso. Sonst gäbe es ja nicht die vielen kleinen Nischen von „Klein Heidelberg“ und „Hotel König“ über „Bart´s Navy Bar“ bis „Madras Darbar Restaurant“ und dem „The Nashaa Club“ oder wie die jeweiligen nationalen Hotspots in den Touristenzentren auch immer heißen.

Shop für chinesische Medizin in Bangkoks China Town.

Sollten sich Chinesen übrigens mit der Erwartung eines Stücks heimatlicher Orientierung während ihres Thailand-Trips besonders auf den Abend in China Town freuen, werden sie vermutlich bitter enttäuscht sein. Zwar gibt es dort chinesische Tempel, chinesische Shops, chinesische Medizin und Mediziner und natürlich chinesische Restaurants, aber die Szenerie ist doch durch und durch thailändisch. Schön bunt. Schön laut. Schön chaotisch, farbenprächtig, stinkend und voller typischer, öffentlicher thailändischer Lebensfreude – gepaart mit Scharen von Touristen aus aller Welt, nicht nur aus China. Ehrlich gesagt, kommt mir Bangkok nirgendwo so thailändisch vor wie in Chinatown. Und Chinatown unterscheidet sich insofern wahrlich sehr von chinesischen Städten.

Die Chinesen sind also während ihres Thailand-Urlaubes definitiv stärker verunsichert und herausgefordert als andere Besucher. Vielleicht beruhigt das ja sogar den ein oder anderen europäischen Urlauber, der sich durch die anhaltend hohen chinesischen Buchungszahlen seinerseits verunsichert fühlt. Und: wenn man die Gelegenheit hat, mit Chinesen persönlich – zumeist mit Blicken, Händen und Füssen – zu kommunizieren, wird man feststellen, dass es sich in der Regel um ganz reizende, zurückhaltende und nette Menschen handelt. Nur Mut!

In China Town: Schön bunt. Schön laut. Schön thailändisch.

„Warum China kein Schnupfen ist. Oder: Stabilität und Innovation – das Yin und Yang des modernen China“

Mehr über China gibt es von mir auch in diesem Wirtschaftsreisebericht: https://sidesteps.home.blog/2019/12/01/von-anderswo-warum-china-kein-schnupfen-ist/

144 Stunden Thailand: Stopover-Impressionen

Nach „Amazing Thailand“ können viele nicht lange genug reisen. Und manche „Farang“ bleiben sogar für immer. Oder zumindest über Winter. Und wenn schon Fernreise, dann doch wenigstens drei Wochen. Für mich ergab sich in diesem Herbst jedoch lediglich die Gelegenheit für einen Stop-over auf dem Weg zwischen „Far East“ und „Old Europe“. Aber auf den konnte und wollte ich nicht verzichten. Auch um für meinen Blog ein paar aktuelle Impressionen aus diesen Stunden zu erhaschen.

Thailand im Schnelldurchlauf ist weder für den Erstbesucher noch den Thailand-Fan wirklich zu empfehlen. Jemand hat einmal geschrieben, dass beim Reisen nicht nur der Körper, sondern auch die Seele ankommen muss. Und die braucht nach meiner Erfahrung immer ein bisschen länger als eine Langstrecken-Flugdistanz. Gerade wenn die Destination „Thailand“ heißt.

Nicht nur an Klima und Sonne, sondern auch an Lebensrhythmus und Essen, Verkehr und Verhalten, Lächeln und Loslassen muss ich mich immer wieder einen Moment lang gewöhnen. Und lasse mich dann gerne davon gefangen nehmen, tauche ein in das Thailand, das mir begegnet.

Diesmal blieb mir die Zeit für diese Phase des Ankommens nicht. Kaum in Suvarnahbhum gelandet, warf ich mich in Bangkoks Gewusel, fuhr mit dem Morgenzug hinaus ins Eastern Seaboard, tauchte kurz ein in die Untiefen Pattayas, erlebte ein Stück „echtes Thailand“ in der Industriestadt Chon Buri und konnte auf ein kleines Strand-Hopping in der Gegend um Bang Sare nicht verzichten, bevor mich der Asian Highway No. 7 schon wieder zurück zum Airport brachte.

In diesen wenigen Stunden oder Tagen bleibt ein solches Reiseerlebnis natürlich nur eine Instant-Mischung und insbesondere dem Thailand-Neuling ist keinesfalls zu empfehlen, meinem Beispiel zu folgen und Thailand lediglich stop-over zu besuchen. Wer zumindest einen Hauch dieses Landes, seiner Menschen, seines Lebens erahnen will, braucht länger. Man muss schon ins Schwitzen kommen, um Thailand wirklich kennenzulernen.

Mit dem morgendlichen Bummelzug von Bangkok ins Eastern Seaboard

Trotzdem hat mir mein Kurztrip gutgetan. Ein letztes Mal Sonne und Wärme tanken vor dem europäischen Winter. Original Thai-Food genießen mit all den frischen Zutaten, die dieses unverwechselbare Geschmackserlebnis erst wirklich ausmachen. Mich mit Menschen treffen, die neugierig, freundlich und offen sind. Und auch noch einmal zu lernen, welche Orte in Thailand mir guttun und welche nicht.

Ein paar Geschichten habe ich mitgebracht, die ich hier im Blog während der kalten europäischen Wintermonate über Thailand und meine Begebenheiten dort erzählen werde und die – trotz Baht-Hausse, Visa-Fragen, politischen Debatten um Korruption oder Meinungsfreiheit sowie rückläufigem touristischem Interesse aus Europa – vielleicht doch Lust machen auf die Seiten Thailands, die so viele Menschen nach wie vor faszinieren und die sich für mich in den über 13 Jahren, in denen ich Thailand bereise, nicht negativ verändert haben.

Aber in diesem Blog-Beitrag lasse ich erst einmal meine Bilder erzählen: vom teilweise geradezu ekstatischen Tempelfest mit freiem Frühstück für alle gespendet von den örtlichen Gewerbetreibenden in einem von Chon Buris Vororten oder von den Dancing Kids, die sich jeden Samstag und Sonntag im Amulet Center Chon Buri zum gemeinsamen Training treffen – selbstbestimmt, sich gegenseitig unterstützend und voneinander lernend.

Denn letztlich gilt nach meiner Erfahrung in Thailand die gleiche Regel wie in jedem anderen Land der Welt, das ich bisher besuchte: So wie ich als Gast den Menschen eines Landes begegne, so werden sich diese in aller Regel auch mir gegenüber verhalten. Meine Reiseerlebnisse hängen viel mehr von mir und meinen Einstellungen ab als von anderen oder von Umständen.

Und: ich bin auf Reisen weitgehend frei darin, zu welchen Menschen meines Gastlandes ich Kontakt suche. Und zu welchen nicht. Das sind die Freiheiten des Reisens: die Freiheit, anzukommen. Die Freiheit, sich einzulassen auf Menschen, Situationen und Länder. Und die Freiheit, weiterzuziehen: zu anderen Menschen, Erlebnissen, Orten, Ländern. Das macht den Wert des Reisens aus. In Thailand und anderswo. Ob kurz oder lang.

Sawadhee khap and see you next time, Siam!

P.S.: Zu den Dancing Kids von Chon Buri gibt es übrigens noch ein Video auf meinem Youtube-Kanal:

Navy Beach: Der Schönste im Osten

Der „Haad Sai Kaew“ ist ein Kleinod im Eastern Seaboard. Denn die Region an der Ostküste des „Gulf of Siam“ hat touristisch zwar viel zu bieten: mannigfaltige Unterkünfte, Essensangebote und Freizeitmöglichkeiten. Nur die Strände sind überwiegend keine Highlights – vor allem nahe der Stadtlagen. Mit Pornthip und Su war ich zu Gast bei der Navy am Sai Kaew Beach, einer der wenigen Strandschönheiten der Region.

Der „Haad Sai Kaew“ ist ein Kleinod im Eastern Seaboard. Denn die Region an der Ostküste des „Gulf of Siam“ hat touristisch zwar viel zu bieten. Von Bang Saen über Pattaya und seine Umgebung bis nach Rayong sind Unterkünfte, Essen und Freizeitmöglichkeiten mannigfaltig. Nur die Strände sind im Verhältnis zu anderen Regionen Thailands überwiegend keine Highlights – vor allem nahe der Stadtlagen und mit Ausnahme einiger vorgelagerter Inseln. Mit Pornthip und Su war ich zu Gast bei der Navy am Sai Kaew Beach, einer der wenigen Strandschönheiten der Region.

Um es gleich vorweg zu sagen: „Sunsetting“ ist für den „Farang“ unmöglich an diesem Strand. Denn der sogenannte „Navy Beach“ trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Er liegt nämlich inmitten eines weitläufigen Areals der thailändischen Marine etwa 30 Kilometer südlich von Pattaya, unmittelbar vor den Toren von Sattahip mit seinem Flughafen U Tapao und ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Strand auf der Rayong vorgelagerten Insel Ko Samet noch etwas weiter südlich. Zwischen Unterkünften von Soldaten und deren Familien, Übungsplätzen, Sportanlagen und sonstigen militärischen Einrichtungen, die Besucher mehr erahnen als erblicken können, schlängelt sich ein kilometerlanger Weg von der Sukhumvit-Hauptstraße südlich des Ortes Bang Sare – bisweilen auch Bang Saray transkribiert – hinüber zu diesem abgelegenen Beach an einem ansonsten einsamen und nur der Armee zugänglichen Küstenabschnitt.

Und genau diesen Weg sollten „Farang“, also nicht-thailändische Urlauber, auch wieder zurück antreten, bevor die Sonne untergegangen ist. Ausländern ist nämlich der Aufenthalt nach Anbruch der Dunkelheit und vor Tagesanbruch in diesem Areal nicht erlaubt. Zwar habe ich immer wieder von Ausnahmen gehört, sogar von Farang, die – in Thai-Begleitung – in einem der Bungalows am oder in der Nähe des Strandes nächtigen durften. Aber das ist mindestens nicht die Regel.

So verwundert es nicht, dass unmittelbar nach dem Abzweig von der Sukhumvit eine Wachstation zu passieren ist, die die Besucher – insbesondere die Nicht-Thais – sowie das Gefährt, mit dem man unterwegs ist, registriert. Und dort muss beim Verlassen des Gebietes auch wieder ausgecheckt werden. Also Baden unter Aufsicht. Wer das und einen kleinen Obulus für den Strandbesuch, der am Besucherzentrum weiter drinnen im Gelände zu entrichten ist, in Kauf nimmt, wird nicht nur eine wunderschöne Anfahrt über die hügelige Piste von der Sukhumvit zum Beach erleben, sondern einen echten „Ariel“-Strand: nicht nur sauber, sondern rein. Das gilt für das Wasser, den Sand und das Treiben an diesem wunderschönen Strand.

Nun muss man jedoch nicht die Vorstellung haben, den Strandtag zwischen patrouillierenden Soldaten oder spektakulären Gefechtsmanövern von Kriegsschiffen zu verbringen. Am Strand selbst herrscht zwar mehr Ordnung als an anderen belebten Stranddestinationen. Die Marine selbst ist aber weder optisch noch tatsächlich unmittelbar präsent. Das Strandvergnügen ist also hinlänglich pazifistisch. Und bisweilen fast idyllisch, besonders am späten Nachmittag.

Die große Ausnahme ist natürlich auch hier das Wochenende. Dann sind die Thai-Kohorten aus den Ballungszentren auch hier mehr als präsent – zwar in Zivil, aber durchaus in Kompaniestärke. Während der Woche verbringen hier zwar ebenfalls nicht wenige Thais ihren freien Tag, oft sind aber die Farang in leichter Überzahl – viele mit slawischem Sprachduktus. Aber so richtig voll habe ich den Strand während der Woche nie erlebt. Dafür liegt er dann doch vielleicht zu abgeschieden oder das Prozedere der Anmeldung schreckt den ein oder anderen ab.

Die durch das Navy-eigene Beachmanagement zentral gesteuerte Strand-Infrastruktur stimmt jedenfalls. Müll ist hier ein Fremdwort, mal abgesehen oder besser wegen der überall ausreichend vorhandenen Mülltonnen. Geduscht werden kann „for free“ – direkt neben den Toilettenanlagen, die hier im Stundenrhythmus gereinigt werden. Dort befindet sich auch die „smoking area“, denn selbstverständlich gilt an diesem „Staatsstrand“ inzwischen nicht nur das generelle Rauchverbot, sondern es wird dort auch tatsächlich ausnahmslos eingehalten. Und natürlich ist die Versorgungslage thai-like: also von allem was der Thai- und auch der Farang-Magen begehrt, ist reichlich vorhanden. Das hält viele Thais jedoch nicht davon ab, in ihren reich gefüllten Picknick-Körben eigenes Essen mitzubringen. Denn das selbst Gekochte oder am präferierten Marktstand im eigenen „Baan“ erworbene Essen schmeckt immer noch am besten. Ist doch klar. Und ist vielleicht noch ein paar Baht billiger als das Angebot der Beachshacks.

Laufende Händler, aufdringliche Jet-Ski-Anbieter oder andere bisweilen als störend empfundene Vertreter des von thailändischen Stadtstränden bekannten „Beachbusiness“ wird man am „Haad Sai Kaew“ nicht begegnen. Es ist quasi wie im wirklichen thailändischen Leben: Dort, wo die uniformierte Macht das Sagen hat, herrscht vordergründig Ordnung. Allerdings will man vielleicht nicht wirklich wissen, wie die Lizenzen an diejenigen vergeben werden, die hier den exklusiven geschäftlichen Zugang zur Strandbevölkerung in den dem Strandbereich nachgelagerten Buden haben. Dem Vernehmen nach soll es sich überwiegend um Navy-Angehörige handeln. Insofern symbolisiert dieser Strand mit seiner Schönheit nicht nur das sprichwörtliche „amazing Thailand“ aus der Tourismuswerbung, sondern steht symbolisch auch für anderes, was typisch für Thailand ist.

Dass die Armee, hier insbesondere die Navy, überhaupt im „Nebenjob“ Strandbetreiber geworden ist, hängt insbesondere mit zwei Gründen zusammen. Zum einen sind die einzelnen Armeebereiche im ganzen Land darum bemüht, den Thais mit attraktiven Freizeitangeboten offensiv das „Soldatenleben“, die Aufgaben der Armee-Einheiten und ihre volle Funktionsfähigkeit nahe zu bringen. Für thailändische Firmen, Schulen und andere Einrichtungen sind daher in Sai Kaew neben dem Strandbesuch weitere Programme buchbar: Waffen- und Übungsvorführungen, Besuche in Navy-eigenen Forschungs- und Überwachungseinrichtungen, Rundfahrten durch andere Bereich des Navy-Areals südlich von Bang Sare. Das Ganze natürlich kostenfrei! Und so kommt es, dass Schulklassen aus Chon Buri oder Rayong fast jährlich einmal hierher kommen und die Navy besuchen – kostenloser Wandertag zur Stärkung des Nationalbewusstseins. Ich kenne mehr als einen oder eine Thai, die das allerdings irgendwann einfach nur noch langweilig fanden, weil es jedes Jahr das Selbe war. Um so sehnsüchtiger warteten diese, während das Pflichtprogramm ablief, auf den Höhepunkt des Tages: den Strand! So macht die Kombination aus Navy-Werbung und Strandbesuch für die Veranstalter Sinn, zumal die Gruppen für kleines Geld auch noch eine oder mehrere Nächte kostengünstig in einigen der, allerdings spartanisch ausgestatteten, Gemeinschafts-Bungalows am Strand oder in der Nähe verbringen dürfen.

Zum zweiten ist die Armee im ganzen Land ein wichtiger Faktor, um Freizeiteinrichtungen und andere Infrastruktur auch für die Nutzung durch Zivilisten vorzuhalten. Es gibt nicht wenige, auch durchaus namhafte Städte, in denen nicht die Kommune für Sportplätze, Schwimmbäder, Kulturveranstaltungen oder Gemeinschaftsaktionen sorgt, sondern ein Armeeteil. Ich selbst habe während meiner Stopps in Samut Prakhan im Süden von Bangkok häufig das Navy-eigene Freibad besucht. Dort gibt es Zeiten für das öffentliches Schwimmen und Kurse für Jugendgruppen und Schulen – ganz so wie wir es aus den kommunalen Bädern in Deutschland kennen.

Die Armee in Thailand ist somit am Sai Kaew Beach und hunderten anderen Orten im Land im gesellschaftlichen Leben viel präsenter als es der deutsche Farang aus seiner Heimat kennt. Auch daraus lässt sich die Bedeutung der Uniformierten für das soziale, politische und wirtschaftliche Leben des „Land of Smile“ ablesen – mit allen Vor- und Nachteilen, die die Thais selbst oder die Besucher aus anderen Ländern je nach persönlicher Haltung oder politischer Auffassung darin sehen wollen.

Aber solch schwere Gedanken dürften sich die wenigsten machen, die hier Erholung, Abwechslung, ein nasses Bad oder eine kühle Brise suchen. „Sanook“ – also diese besondere Form des thailändischen Wohlbefindens – und „Sabai“ – Lebensfreude und Genuss im Augenblick – stehen natürlich im Mittelpunkt des Strand-Tages. Zusammen mit der Familie, den Freunden oder den Arbeitskollegen genießt man ein paar Stunden „Urlaub“, denn mehrere Tage oder gar Wochen am Stück, wie wir es aus Mitteleuropa kennen, hat so gut wie kein Thai jemals frei. Ausnahme: die Zeit um das weltweite und die um das thailändische Neujahr im April. Und selbst da gilt für viele, die etwa im Tourismus oder anverwandten Branchen arbeiten, dass nicht Urlaub angesagt ist, sondern im Gegenteil: Hochsaison!

Also nutzen die Thais die kleinen Auszeiten. An einem Wochenende. An einem freien Tag. Oder auch nur – wie Pornthip – ein paar freie Stunden, bevor es am Abend voraussichtlich wieder ins starkbeschallte Neonlicht Pattayas zurückgeht. Und Su sich wieder um den Familienclan in Chon Buri, im Isaan und sonstwo kümmert.

Bis dahin sind es jedoch noch ein paar Augenblicke. Auch und gerade dann, wenn die Sonne schon in ihren Spätnachmittagsstatus gefallen ist, wird der Augenblick genutzt, bis der Strandtag sein Finale findet. Während der Farang schon zu bedauern beginnt, dass er den Sonnenuntergang an diesem Strand verpassen wird, freuen sich die Thais über weniger intensivere Sonnenstrahlen, aber dafür schöneres Licht für die letzten Selfies, Landschaftsaufnahmen oder Gruppenfotos.

Der Strand war heute zwar mal wieder nie brechend voll, aber dennoch merken diejenigen, die ausharren bis zum letztmöglichen Moment, dass es sich merklich leert und der Sai Kaew Beach, wie insgesamt die ganze, fast unberührt erscheinende Gegend des Navy-Areals, zum Ende des Tages noch einmal eine besondere Schönheit, einen besonderen Flair entwickelt. Die „orangene Stunde“ – wie ich sie im Blogbeitrag https://scontour.com/2019/01/06/sunset-the-smooth-of-every-day%ef%bb%bf/ bezeichnet und beschrieben habe – wirft ihr Licht und ihre Stimmung voraus, auch hier.

Daher ist es nun für den Farang leider Zeit zu gehen: Bis zum nächsten Mal!

Auf Wiedersehen, Pornthip und Su. Hoffentlich bis bald am Sai Kaew Navy Beach.

Gesichter aus vier Wochen Thailand

Die Sonne schenkt mir am letzten Abend meiner vier Wochen in Thailand ein Extra-Spektakel: Sie versinkt vollständig im Meer, ohne vorher im Dunst zu verschwinden. Danke, #Thailand, für eine neuerliche gute Zeit im „Land des Lächelns.“

Die Sonne schenkt mir am letzten Abend meiner vier Wochen in Thailand ein Extra-Spektakel: Sie versinkt vollständig im Meer, ohne vorher im Dunst zu verschwinden. Danke, Thailand, für eine neuerliche gute Zeit im „Land des Lächelns.“

Wenige Stunden vor dem Rückflug hat mich die übliche Geschäftigkeit des Reisens und seiner Vorbereitung noch nicht erreicht. Denn noch sitze ich auf meiner Terrasse mit Blick auf die „Bay of Siam“ und versuche, die letzten Momente, in denen der Lauf des Sonne und das Geräusch der Wellen Bild und Takt bestimmen, zu bewahren. Und diese Momente in meinen Erinnerungen zu speichern, um sie vielleicht wieder abzurufen, wenn ich bald zurück im Nieselregen der deutschen Spätwinterzeit bin. Trotzdem freue ich mich auf Zuhause, auf mein „Geheischnis“ – wie der Saarländer so wundervoll lautmalt.

Vier Wochen Thailand, zehn Orte, über 2.000 Auto-Kilometer zwischen Sattahip und Bangkok, Chon Buri und Surin. Neues entdeckt und Altes wiedergesehen. Menschen getroffen – manchmal nur für Sekunden per Kameraobjektiv, manchmal für ein paar Stunden oder Tage persönlich. Ich habe mich bewusst dem Megacity-Life von Bangkok ausgesetzt und den Untiefen Pattayas. Ich habe die Ruhe, Abgeschiedenheit und Trägheit des Isaan genossen. Ich bin in den „normalen“ Alltag der Industriestadt Chon Buri eingetaucht. Und kehrte schließlich an „meinen Beach“ zurück, wo genügend Leben ist, um sich nicht zu langweilen, aber ausreichend Ruhe, die Muße und Entspannung garantiert. Das ist nicht überall in Thailand so. Mir ermöglicht dieser Platz einen Zustand und eine Phase des Glücks. Vorübergehend, natürlich, wie alles im Leben. Denn kaum hat diese Phase begonnen, so endet sie auch schon wieder. Panta rhei. Und alles ist endlich.

Ich habe ein paar Geschichten im Gepäck und einige Fotos aus Sattahip, Bang Sare, Ban Amphur, Jomtien, Pattaya, Bang Saen, Chon Buri, Bangkok, Sisaket und Surin. Die Fotos und die Geschichten dazu werde ich hier sukzessive veröffentlichen. Bis zu meinem nächsten Thailand-Trip.

Eine kleine Foto-Vorschau enthält dieser Blogbeitrag: Gesichter aus vier Wochen Thailand. Und wer mir bei Instagram oder Facebook unter http://www.instagram.com/sc_ontour bzw. www.facebook.com/stephan.schweitzer folgt, konnte schon ein paar Eindrücke, „making ofs“ und „behind the scenes“ meines Blogs und meiner kommenden Blog-Beiträge erhaschen.

Viel Spaß damit und bis bald auf mehr bei www.scontour.wordpress.com

P.S.:

Seit Ende Dezember 2018 gibt es diesen Blog. Zwischenzeitlich sind fast 13.000 Klicks und fast 5.000 Besucher gezählt. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich für dieses große Interesse bedanken. Damit hätte ich nie gerechnet und sehe dieses Interesse als Verpflichtung und Motivation, hier regelmäßig Neues über Thailand zu veröffentlichen. Feedback ist dabei jederzeit sehr willkommen. Hier, bei Facebook oder per Mail. Auch dafür: Danke.

Ban Amphur, 8.3. 2019

Talaad Thai: Auf den Märkten

Faszination der Vielfalt: Menschen, Farben, Gerüche. Waren, Speisen, Spektakel. Ein Marktbesuch in Thailand ist ein Erlebnis. Ob im tiefsten Isaan oder des Nachts mitten in Bangkok.

Natürlich gibt es hier das frittierte Ungeziefer. Angeblich schmackhafte Käfer, krosse Spinnen, Raupenchips. Aber ein Thai-Markt besteht nie nur aus diesen exotischen Leckereien, die es inzwischen als kleine Dschungelcamp-Experience in fast jede Thailand-TV-Reportage geschafft haben. In Wahrheit sind die thailändischen Märkte egal ob in einer Provinzstadt auf dem Land, in einem der unzähligen Stadtteile der Metropole Bangkok oder auch in geringer Entfernung zu den touristischen Zentren von Pattaya oder Phuket keine Show, sondern echte Versorgungszentren für die Thais im Alltag.

Es gibt allerdings auch die „inszenierten“ Märkte: Pattaya Floating Market südlich der Touristenstadt. Oder der noch bekanntere Damoen Saduak in der Region Bangkok. Aber die haben lange nichts mehr mit den echten Märkten zu tun. Und thailändischen Kunden wird man dort sicher nicht mehr begegnen. Viel zu teuer. Viel zu touristisch.

Selbstverständlich kann es dem „Farang“ auf einem authentischen Thaimarkt passieren, dass die Tomaten bei ihm stillschweigend eine Preisverdopplung erfahren gegenüber dem einheimischen Kunden, der sich soeben damit versorgte. Mag vorkommen. Wer sich eines einheitlichen Preises für alle sicher sein will, sollte in die großen Einkaufstempel BigC oder Tesco Lotus gehen.

Jene besondere thailändische Marktatmosphäre ist dort allerdings sicher nicht zu erleben, auch wenn die in diesen Zentren den Vollsortimentern vorgelagerten Shop Areas durchaus ebenfalls ihren Unterhaltungswert haben. Und von praktischem Nutzen sind, da dort viele Dienstleistungen – von der Bankfiliale über den Mobilshop bis hin zur Backstation europäischer Provenienz – zu finden sind.

Dennoch bleibt es dort bei der sterilen Air-Condition-Atmosphäre. Kein Schwitzen unter Plastikplanen, kein hungrig machender Geruch frisch gegrillter Fische, kein kühlender, frisch gebrühter Eiskaffee mit süßer Kondensmilch und Strohhalm aus Plastiktüten.

Das Angebot der „echten“ Tages- und Nachtmärkte Thailands ist meist geradezu überbordend. Wenn ich in Thailand ausnahmsweise mal in einem Hotel wohne und einen Markt besuche, finde ich das zumeist ziemlich ärgerlich. Zu groß ist die Verlockung frischer Waren oder bereits zubereiteter Köstlichkeiten auf dem Markt. Ich kann kaum widerstehen, freue mich, bald wieder Selbstversorger zu sein. Bis dahin verwöhnt mich der Blick aufs Geschehen, auf das wuselige, aber jederzeit entspannte Treiben, Handeln, Kommen und Gehen. Ich nehme die vielen lächelnden und freundlichen Gesichter wahr und versuche, angemessen zurückzulächeln. Ich bin dann kein Kunde, sondern fotografierender Beobachter und freue mich, wenn ich auf den Auslöser drücken darf auch ohne etwas zu kaufen.

Wie überall auf der Welt hat der Markt auch in Thailand nicht nur ökonomische Bedeutung. Er ist Treffpunkt, Nachrichtenbörse, Gerüchteküche und kulturelle Institution. Er ist Schauplatz für Feste, Aufführungen, politische Botschaften, persönliche Inszenierungen oder religiöse Bekenntnisse. Aber er ist nie Folklore, sondern in erster Linie ein Platz des Austausches und des Handelns. Übrigens nicht nur für „Food“, sondern oft auch für Textilien, Haushaltswaren, Nippes und alles was man sonst so auch im Einkaufszentrum mit Kreditkarte, aber mit weniger Unterhaltungswert kaufen könnte.

Die Fotos entstanden auf Märkten in Bangkok, Ban Amphur (Provinz Chon Buri), Bang Sare (Provinz Chon Buri), Ban Khanat Mon (Provinz Surin), Chong Chom (Provinz Surin), Pattaya und Sangkha (Provinz Surin).