Bangkok: Ein Reisepass zu Weihnachten

Weihnachten im buddhistischen Thailand? Gibt es. Wenn auch ganz anders als in heimatlichen Gefilden. Mir hat Siams Hauptstadt Bangkok zum frohen Fest sogar einmal einen Reisepass geschenkt.

Weihnachten im buddhistischen Thailand? Gibt es. Wenn auch ganz anders als in heimatlichen Gefilden. Mir hat Siams Hauptstadt Bangkok zum frohen Fest sogar einmal einen Reisepass geschenkt.

Mein Griff ging ins Leere. Routinemäßig, fast schon automatisch, überprüfe ich auf Reisen immer mal wieder den Verbleib wichtiger Utensilien in den diversen Taschen meiner üblichen Travellerjacke: Geld, Autoschlüssel, Reisepass. Ich vermeide es nach Möglichkeit, im touristischen oder städtischen Umfeld oder gar beim Autofahren in Thailand auf Pass oder den internationalen und nationalen Führerschein zu verzichten, gar mich nur mit Kopien dieser Dokumente zu begnügen. Lieber mache ich mir die Mühe und habe alle diese Sachen gleich im Original dabei, an jeweils einem festen Platz in meiner Jacke. Doch als meine Hand an jenem Heiligabend zu Beginn der Christmette in einer kleinen Bangkoker Kapelle an die für den Reisepass reservierte Stelle fasste, fand sie – nichts. Und das empfand ich wiederum – trotz aller harmonischer Weihnachtsgefühle um mich herum – durchaus beunruhigend. Sollte ich den Pass im Auto liegen gelassen haben? Wie unvorsichtig mitten in Bangkok. Selbst an Weihnachten! Oder gerade dann. Das sollte ich eigentlich wissen, der ich nicht zum ersten Mal Weihnachten im Warmen fernab der Heimat verbrachte.

Weihnachten unter Palmen bei 35 Grad am feinsandigen Meeresstrand“.

Nicht wenige Reiseveranstalter malen dieses Klischeebild für potenzielle Kunden von Pauschalreisen, die des heimischen Weihnachtsstresses und des üblichen Schmuddelwetters in dieser Jahreszeit überdrüssig sind. Und tatsächlich ist es ein besonderes Erlebnis, Weihnachten fern der europäischen Heimat in tropischen Gefilden zu verbringen. Mein erstes Weihnachten „far away“ erlebte ich im indischen Goa, allerdings wie immer ohne Pauschalbuchung, sondern selbst organisiert. Goa hat als ehemalige portugiesische Kolonie – der Kleinstaat wurde erst rund zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens ein Teil der subkontinentalen Nation – eine veritable katholische Vergangenheit, die mit rund dreißig Prozent katholischer Bevölkerung auch heutzutage noch alltagsrelevant ist. Insofern ist das Feiern von Weihnachten und die Verwendung der typischen Weihnachtssymbolik dort kein Produkt von Marketingstrategen, sondern historisch gewachsen.

Das verhält sich in Thailand anders. Siam ist natürlich traditionell ein buddhistisches Land – allerdings mit einer spürbaren und wahrnehmbaren Minderheit an Bewohnern muslimischen Glaubens. Die trifft man insbesondere im Süden des Landes, aber auch im Ballungsgebiet rund um und im Stadtzentrum von Bangkok. Und es handelt sich dabei nicht um Touristen oder Zugewanderte, sondern um originäre thailändische Staatsbürger, die sich – abgesehen von einer rebellischen Minderheit – als Teil der thailändischen Gesellschaft verstehen, egal ob als 7/11-Mitarbeiterin oder als Bankangestellte und unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Weniger als 1 Prozent der rund 70 Millionen Bewohner Thailands sind katholischen Glaubens. Im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern – Vietnam oder die Philippinen zum Beispiel, die wie Goa eine Kolonialgeschichte haben und damit auch eine christliche Missionierungsphase hatten – war Thailand immer das nichtkolonialisierte „Land der Freien“ und somit auch niemals einem oft machtpolitisch und weniger auf Glaubensüberzeugungen beruhendem Missionierungsdruck ausgesetzt. Die wenigen Christen in Thailand sind sozusagen „Überzeugungsgläubige“ und so war der Papstbesuch vor wenigen Wochen für diese Thailänder eine ganz besondere Wertschätzung.

Im Gegensatz zu der „großen Minderheit“ der Muslime, wird man der „kleinen Minderheit“ der Christen im öffentlichen Bild Thailands kaum gewahr. Zwar begegnet man – bisweilen sogar überraschend in provinziellen Gebieten, aber natürlich vor allem in Bangkok – Kirchengebäuden oder christlicher Symbolik. Aber das ist eindeutig die Ausnahme statt der Regel.

„Geschenkefest“ abseits der Touristenroute:
Überraschender Weihnachtsbaum in der Amphoe von Sangkha/Surin Province, Isaan.

Die Symbole des westlichen Weihnachtsfestes haben aber ganz unabhängig von der Zugehörigkeit zu Religionen natürlich längst auch in Thailand Einzug gehalten. Ob Kirche oder Coca-Cola dazu den entscheidenden Beitrag geleistet haben, wäre sicherlich eine interessante Untersuchung wert. Jedenfalls vermute ich, dass der rote Weihnachtsmann in Thailand bekannter ist als das blonde Christkind. Viele Thais, bei denen Weihnachten derzeit trendet – so wie bei uns das lange Zeit unbekannte und unbedeutende Halloween – nennen es einfach das „Geschenkefest“ ohne jegliche Verlinkung zum eigentlich Inhalt und Anlass von Weihnachten, was sich aber zunehmend ja nicht mehr unterscheidet zu den Gesellschaften des sogenannten christlichen Abendlandes.

Dennoch ist es natürlich etwas Besonderes, Weihnachten in Thailand zu verbringen. Sonnenschein statt Schmuddelwetter. Wan Tan statt Weihnachtsgebäck. Angenehme Unaufgeregtheit statt Festtagsrummel.

Es gibt aber eben auch das christliche Weihnachten in Thailand, zumeist geprägt durch die Expat-Communities im ganzen Land, vor allem aber in den Touristen- und Rentnerhochburgen. So lassen sich im deutschen, christlichen Begegnungszentrum in der Partystadt Pattaya am Heiligabend vor Rührung weinende Veteranen der sextouristischen Soi6-Gasse antreffen, die dann doch im Weihnachtsgottesdienst einen Hauch der eigentlichen Botschaften und der eigenen heimatlichen Weihnachtserinnerungen erhascht.

Ein Hort katholischen Glaubens ist an Bangkoks Sathorn Road zu finden. Diese belebte Magistrale beherbergt in Central Bangkok nicht nur eine Unzahl internationaler Firmensitze und neben der deutschen und der österreichischen viele weitere Botschaften der Länder dieser Erde, sondern auch das weitläufige Gelände des katholischen St. Louis Hospital.  Auf diesem Gelände befindet sich neben dem großen Krankenhaus auch die apostolische Nuntiatur – also die Botschaft des Vatikans. Dort treffen sich zur Christmette in später Stunde die thaisprachigen Katholiken im großen Gotteshaus und die kleine deutschsprachige, katholische Community in eben jener Kapelle, in der ich mich nach dem Pass tastend an diesem Heiligabend befand.

In Deutschland gehört für mich noch immer der Besuch in der Kirche zu Weihnachten. Nicht nur wegen der Kinder oder meiner tiefgläubigen Mutter.  Auf Reisen muss es nicht unbedingt sein und ich verbrachte durchaus schon Heiligabende im Strandrestaurant von Bang Sare oder anderen Orten ohne Kirchgang. In Goa trieb mich einst die Neugier in den Gottesdienst an Heiligabend. Aber eine besondere „indische“ Inszenierung erlebte ich nicht – das Ritual lief wie zuhause ab. Keine besondere indisch-spirituelle Erweiterung. Es war halt nur wärmer und die Festtagskleidung bunter.  Die Bangkoker Kapelle suchte ich am Heiligabend – trotz geschäftiger Verkehrslage – insbesondere wegen meiner Mutter auf, die mich und meine Frau damals erstmals auf einem Thailandtrip begleitete.

Eigentlich ist es eine Absurdität, sich in Bangkok freiwillig mit einem Auto fortzubewegen. Ich gebe es zu: ab und an komme ich jedoch nicht drumherum – sei es selbstfahrend oder mit dem Taxi. Auch bei meinem Erlebnis mit dem Reisepass war ich per Auto unterwegs, da wir uns von Samut Prakhan aus nach Downtown BKK aufmachen mussten.

Selbstverständlich wurden wir bei unserem kurzen Trip zum weihnachtlichen Dinner und zur Christmette Bestandteil des üblichen Bangkoker Verkehrschaos. Und ich vermute, das war – im Gegensatz zu deutschen Innenstädten – keineswegs nur dem Weihnachtsfest geschuldet. In Bangkok herrscht eigentlich immer Rush-Hour und so tankten wir uns mehr schlecht als recht durch den Verkehr nach Sonnenuntergang. Schon in die Sathorn Road eingebogen, ereilte mich dann ein Schicksal, das ich mir nicht nur mit tausenden Bangkokern täglich teile, sondern das gelegentlich Systembestandteil für ein einigermaßen zügiges Vorankommen im Stadtverkehr von Krung Thep ist: Ich landete auf einer überraschenden Linksabbiegespur an einer Stelle, wo ich eigentlich geradeaus fahren wollte. Mit elegantem Schwung platzierte ich unmittelbar vor einer Ampelanlage den Wagen doch noch wieder in die richtige Spur. Allerdings hatte ich diese Manöverrechnung ohne den Uniformierten gemacht, der in einem eigens von der Verkehrspolizei eingerichteten „Aquarium“ mit breiter Fensterfront über die Ordnung an der Verkehrskreuzung wachte. Und da sich mein „Move“ nun einmal direkt vor den Augen des Ordnungshüters abspielte, war er dankbar für die Gelegenheit, kurz vor dem mutmaßlichen Heimattrip anlässlich des Jahreswechsels, seinen Teegeld-Etat ein wenig ausbauen: strenger Blick, Mütze zurechtgerückt, das „Aquarium“ verlassen und die Kelle raus: bitte links ranfahren. So lernte ich das Aquarium von innen kennen und wurde – nachdem ich meine kleine Führerscheinsammlung vorzeigen durfte – Zeuge einer längeren Preisverhandlung zwischen meiner thailändischen Frau und dem Diensthabenden, der allein die Amtsstube personalisierte. Schnell wurde mir klar, dass für die Bestrafung dieses nachhaltigen Vergehens des Spurwechsels unmittelbar vor der Ampelanlage kein in einem Bußgeldkatalog vorgeschriebener Betrag fällig wurde, sondern eine frei auszuhandelnde Summe. That´s Thailand. Meiner Frau – die sich als solche nicht zu erkennen gab, sondern als „Reisebetreuerin“ des älteren Ehepaares, also meiner Mutter und mir, fungierte, handelte schließlich für die unbedarften und ahnungslosen Farang einen satten Rabatt heraus. Und so konnten wir – um etwa 500 Baht ärmer – unsere Fahrt fortsetzen. Es war übrigens für mich das einzige Mal, dass ich persönlich in Thailand Zeuge und Betroffener einer solchen Bußgeldforderung und Verhandlung wurde, obwohl ich in den letzten anderthalb Jahrzehnten schon viele, viele tausend Kilometer selbstfahrend im Land des Lächelns unterwegs war und dabei immer mal wieder von Polizisten angehalten und überprüft wurde.

Den Pass musste übrigens ich bei der Verkehrskontrolle nicht vorzeigen. Insofern konnte ich mich – während die anderen in der Kapelle der Geschichte vom Stall, den Hirten und dem Stern mit diesem typischem Weihnachtsglanz in den Augen folgten – beim Zermartern meines Gehirnes nach dem Verbleib des Dokumentes nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal bewusst meinen Pass in der Jackentasche gespürt hatte. Nur über eines war ich mir sicher: Ich hatte ihn garantiert eingesteckt und nicht in meiner Bleibe in der Vorstadt liegen lassen. Da ich niemandem der Faszination des Weihnachtsgottesdienstes und seiner besonderen Gefühle berauben wollte, hielt ich unruhig bis zum Ende durch und gestand meinen Begleiterinnen erst während des Empfangs, zu dem der Nuntius deutschsprachige und thailändische Gäste der Gottesdienste eingeladen hatte, den bemerkten Verlust. Im dunklen Schatten des Parkhauses der Klinik ertasteten wir wenige Minuten später den kompletten Innenraum des Wagens auf der Suche nach dem Dokument – erfolglos.

Wo war das Ding?

Vor dem Gottesdienst hatte ich zum Weihnachtsdinner in das Restaurant „Blue Elephant“ ganz in der Nähe eingeladen. Heute am Festtag sollte es mal nicht Plastikgeschirr oder Garküchenstand sein, sondern thailändisch-asiatische Fusionsküche in gehobenem Ambiente. Der Laden ist durchaus empfehlenswert, wenn es einmal etwas Besonderes sein darf. Nicht so signifikant wie ein Tee auf der herrlichen Flussterrasse des Oriental Hotel, aber trotzdem durchaus ein Highlight der gehobenen Art in der Bangkoker Gastronomie-Landschaft.

Auf der Suche nach dem Pass kehrten wir nun dorthin zurück, blieben aber erfolglos. Nein, einen Reisepass habe man nicht gefunden, versicherte das Personal kurz vor Feierabend. Auch das Inspizieren unseres vorherigen Tisches brachte kein positives Ergebnis.

Sollte ich ihn etwa doch bei der Polizeikontrolle verloren haben? Wir kehrten – inzwischen weit nach Mitternacht – dorthin zurück, in der Hoffnung unseren vorherigen diensthabenden Verhandlungspartner anzutreffen. Indes: das Aquarium war inzwischen schon „wegen Reichtum geschlossen“. Ich versuchte, einen Blick ins Innere zu werfen, ob ich dort auf dem Schreibtisch vielleicht meinen sichergestellten Pass zu Augen bekam. Nichts.

Ziemlich frustriert und mit gänzlich unweihnachtlichen Gefühlen zog ich mich verzweifelt in die dunkelste Ecke des geschotterten Aquarium-Vorplatz zurück. So ein Mist. Morgen wollten wir in den Isaan und nach Silvester ganz runter über Hua Hin und Bang Saphan bis Khao Lak und Phuket. Konnte ich ohne Pass diese ganzen Trips canceln und stattdessen hier im Moloch Bangkok auf die Wiedereröffnung der deutschen Botschaft nach den Weihnachtsfeiertagen warten? Wie konnte mir sowas dummes passieren? Lag das Ding vielleicht wenigstens doch noch in Samut Prakhan? Würde ich mit einer Passkopie den Rest des Urlaubes durchkommen? Kurz bevor wir uns frustriert auf den Rückweg machen wollten und nur noch meine Mutter suchend über den Schotterplatz wandelte, hörte ich plötzlich ein: „Da isser.“ Was? Ein übler Scherz?

Nein. Mein Reisepass lag an exakt der Stelle im Schotter, an der mich der Freund und Helfer aus dem Wagen hat aussteigen lassen. Der Pass muss dabei wohl unbemerkt aus der Jacke gerutscht und zu Boden gefallen sein. Und lang dort über Stunden vor sich hin während Abendessen, Mette, Empfang und der bisherigen Suchaktion. Mitten in Bangkok. An einer belebten Kreuzung. Vor einer Polizeistation.

Ungläubige Blicke, unfassbare Erleichterung und tiefe Dankbarkeit erfassten uns. Was für ein Zufall. Oder: was für ein Weihnachtsgeschenk! Danke Bangkok, selten zuvor waren meine Weihnachtsgefühle intensiver als im Augenblick dieser, thailändischen Heiligen Nacht. Frohe Weihnachten auf thailändisch, sozusagen. Und die Reise konnte weitergehen.

Chinesen in Thailand: Mehr als Minderheit

Die Chinesen sind da! Und das nicht erst seit gestern, sondern seit einigen hundert Jahren in Thailand.

So etwa sieht es bei Chinas Militärparaden auch aus: Kohorte um Kohorte zieht lärmend unter wehenden Fahnen durch Pattayas Walking Street und über den Balihai Pier. Allerdings sind die Fahnen nicht nur rot, sondern bunt und nicht in den Händen von Soldaten, sondern von Reiseführern. Und die „Waffen“ sind nur Baht und Kamera. Die Chinesen sind da! Und das nicht erst seit gestern, sondern seit einigen hundert Jahren in Thailand.

Chinesen und Thais verbindet eine viel längere Geschichte als die vergangenen Jahre, in denen die Chinesen zur wichtigsten und größten Touristengruppe in Thailand geworden sind. Die heutigen Erkenntnisse der Frühgeschichte lassen vermuten, dass die thailändischen Ebenen einst von Völkerwanderern aus dem Gebiet des heutigen südlichen China besiedelt wurden. Die wechselvolle thailändische Geschichte, dieser ewige Kreislauf von Grenzveränderungen, gegenseitigen Eroberungen und Bevölkerungsmigrationen mit den Nachbar-Ethnien aller Himmelsrichtungen rund um „Siam“ hat im Laufe der Jahrhunderte jedoch längst eine eigenständige thailändische Identität entstehen lassen. Dennoch ist heute das Chinesische eine starke und wahrnehmbare Minderheitenkultur in Thailand. Das liegt allerdings nicht an den Wanderungsbewegungen vor Jahrtausenden, sondern an der stetigen Migration von Chinesen in den letzten Jahrhunderten. Und diese chinesische Migration nach Thailand ist geradezu ein Abbild chinesischer Geschichte der Neuzeit bis heute.

Kamen Chinesen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch als gesandte Handelspartner eines starken Kaiserreiches nach Thailand, so waren die nachfolgenden Migranten über mehr als ein Jahrhundert lang eher Flüchtlinge vor dem chinesischen „Luan“ – dem Chaos in ihrem Reich, wie die Chinesen die Zeit des kriegerischen Imperialismus des Westens und der Japaner auf ihrem Boden, der Schwäche des eigenen Systems zum Ende des Kaiserreiches, aber auch der blutigen Bürgerkriege und der zerstörerische „Kulturrevolution“ bezeichnen. In diesen Zeiten von Hungersnöten und Gewalt, von stetig wechselnder staatlicher Ordnung, von fehlenden Verlässlichkeiten und mangelnden Zukunftsperspektiven, fand ein millionenstarker Exodus von Chinesen statt – in alle möglichen Länder rund um die Welt. Und von San Francisco bis Bangkok entstanden die noch heute existierenden China-Towns, also Stadtviertel oder Ghettos, in denen die Chinesen ein Stück Heimat, aber vor allem die Kraft und den Rückhalt fanden, sich und ihren Familien gemeinsam mit ihren Landsleuten etwas Neues fern vom Reich der Mitte aufzubauen.Die chinesischen Migranten in Thailand beschränkten sich jedoch keineswegs auf ihren Mikrokosmos Chinatown, sondern begannen überall dort, wo es sich für sie lohnte, mit ihren wirtschaftlichen Aktivitäten. Während in den USA hunderttausende ihrer Landsleute als Arbeiter beim Bau der transkontinentalen Eisenbahnen ihr hartes Brot verdienten und oft mit dem Leben bezahlten, stellten sich viele der „thailändischen“ Chinesen perfekt auf ihr agrarisch orientiertes Gastland ein und stießen in die ökonomische Lücke, die die Thais ihnen ließen: Handel, Warentausch, Transport.

Chinesischer Tempel in Chon Buri: Jahrhundertelange Assimilation.

Vorbehalte, Ressentiments und Widerstand gegen die Chinesischstämmigen in Thailand gab es dennoch immer wieder in der neueren Geschichte. So wurden sie – wie starke und wirschaftlich erfolgreiche Minderheiten in anderen Gesellschaften anderswo auch – gelegentlich in politischen oder ökonomischen Krisen Thailands zu Sündenböcken erklärt oder zur Zielscheibe von nationalistischer oder rassistischer Propaganda. Trotzdem erarbeiteten sich die ethnischen Chinesen über mehr als zwei Jahrhunderte in Thailand eine Stellung im Wirtschaftsleben, die heute von Ökonomen wohl als „systemrelevant“ bezeichnet werden würde.

Sie assimilierten sich dabei so viel wie nötig: erlernten die Sprache, respektierten Kultur, Staatswesen, Traditionen und Gepflogenheiten der Thais, heirateten auch ethnische Thais und nahmen schließlich auch deren Staatsbürgerschaft an.

Sie blieben aber den chinesischen Traditionen, dem Glauben und der Kultur so verbunden wie möglich: niemals gaben sie ihre Muttersprache auf, altchinesischen Gaumenfreuden geben sie bis heute Vorrang vor der viel zu scharfen Thai-Küche, sie bauten und pflegen ihre eigenen Tempelanlagen und Begräbnisstätten. Und die Thais ließen das auch zu. Noch heute zeugt davon der für mich sehr beeindruckende, riesige chinesische Friedhof in Chon Buri – einst gebaut vor den Toren dieser Industriestadt, heute aufgrund der Stadtentwicklung mitten drin.

Chinesischer Friedhof in Chon Buri: Gräber bis zum Horizont mitten in der Stadt.

Der gegenseitige Respekt und die Überzeugung, dass letztendlich alle von der friedlichen Koexistenz und der Zusammenarbeit profitieren, hat sich heutzutage durchgesetzt und sorgt für die starke Stellung der ethnischen Chinesen in der thailändischen Gesellschaft. Und diese Stellung wird derzeit noch wichtiger. Denn in China ist nicht nur die Kulturrevolution längst Geschichte, sondern China ist auf ökonomischem Weltniveau angekommen. Vorbei die Zeiten, in denen dort nur kopiert und billig produziert wurde. China ist ein dynamischer Innovationsstandort und längst nicht mehr nur als verlängerte Werkbank an internationalen Wertschöpfungsketten beteiligt. Seit den Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping hat sich China extrem entwickelt. China „is thinking big“. Und tut es auch. Mit klarer Strategie in Peking und vielen daran ausgerichteter Projekte in den Regionen hat sich China in Rekordzeit gewandelt. Ausgestattet mit Eigenkapital bei Staat und Unternehmen. Mit dem unbedingten Willen zum Erfolg, aber auch mit einem brutalen Erfolgsdruck von oben nach unten. Projekte werden in Rekordzeit vorangetrieben, Flops in Kauf genommen. China litt lange unter seiner Größe, was auch ursächlich für die Migrationswellen war. Innerhalb einer Dekade hat es seine Größe ökonomisch zu einer Stärke gedreht. Längst ist ein gutverdienender Mittelstand entstanden: das Rückgrat der chinesischen Wirtschaft und der anhaltend hohen Binnenkonjunktur, die übrigens auch für deutsche Exporterfolge sorgt. Auf dieser Basis steigt China mit dynamischer Innovationsförderung und der unvergleichbaren Internationalisierungsoffensive seiner „Belt- und Roadpolitik“ endgültig zu dem Global Player neben den USA und der EU auf.

Und das hat auch in mindestens dreifacher Hinsicht Auswirkungen auf Thailand:

Zum einen hat die thailändische Regierung den früheren roten Angstgegner China als Partner entdeckt, um Defizite bei Infrastruktur und Innovation wettzumachen und um politisch unabhängiger von den – so empfinden es nicht wenige Thais aus dem Machtapparat – ewig an Thailand rumnörgelnden westlichen Demokratie zu werden.

Zum zweiten investieren in China reich gewordene Chinesen – auch und insbesondere derzeit die aus Hongkong – ihr Geld gerne im Ausland. In Thailand fühlen sie sich besonders willkommen und verstanden. Denn hier treffen sie mit ihren ethnischen Verwandten auf Geschäftspartner, die nicht nur wirtschaftlich vor Ort eine Macht sind, sondern auch noch ihre Sprache sprechen und denen ihre Kultur nicht fremd ist. Dienstleister und staatliche Stellen, die mit dem Matchmaking zwischen Thais und Chinesen ihr Geld verdienen, kommen derzeit gar nicht nach mit Aufträgen. An Bangkoks Sukhumvit etwa befinden sich manche Bürogebäude, in denen quasi den ganzen Tag nichts mehr anderes gemacht wird, als Deals zwischen Chinesen und Thai-Chinesen zu verhandeln. Vertreter beide Gruppen geben sich dort zurzeit quasi ständig die Klinke in die Hand. Und auch die steigenden Immobilienpreise in Bangkok und der nicht abreißende Bauboom dort – aber auch auf Phuket und in der Region Pattaya – haben damit zu tun. Chinesen kaufen Condos in Thailand wie andere Souvenirs. Nicht unbedingt, um darin zu wohnen oder damit eine direkte Rendite zu erzielen, sondern um einfach erstmal Geld anzulegen. Apropos Geld: manche Chinesen bringen auch einfach nur Bares nach Thailand, ohne damit zu wirtschaften. Das dürfte übrigens eine Ursache für die anhaltende Baht-Hausse sein, unter der Urlauber, aber vor allem thailändische Exporteure von Reis und Industriegütern zurzeit so sehr leiden.

Und zum dritten – und damit kehren wir dann wieder an Pattayas Bali Hai Pier zurück – hat die chinesische Mittelschicht genug Geld und Interesse, um Urlaub außerhalb Chinas zu machen. Thailand – mit zwei bis vier Flugstunden quasi vor der chinesischen Haustür – war eines der ersten Länder, dass der Mittelstand als Destination entdeckt hat. Und ist weiterhin begehrtes Reiseziel.

Eine Seefahrt, die ist… gelegentlich anstrengender als man denkt. Chinesen am Pattaya Beach nach einem Insel-Trip.

Nicht alle, aber die meisten Chinesen buchen ihren Thailand-Urlaub als Gruppenreise. Das verstärkt bisweilen an bestimmten thailändischen Destinationen – eben etwa am Bali Hai Pier oder in der Walking Street – den Eindruck, sie hätten das Land fest in ihrer Hand. Zumindest manchmal scheint es aufgrund der Großgruppenauftritte so, als seien sogar mehr Chinesen als Thais vor Ort. Was mir dabei immer wieder auffällt: Die Chinesen bleiben meist in ihren Gruppen – stets darum bemüht, ihrem Fähnlein-Träger zu folgen und rechtzeitig zum nächsten Hotspot zu kommen. Als ich mir die Zeit nahm, das Spektakel einmal genauer zu beobachten, absolvierte gerade eine Gruppe die Strecke an den Bali Hai-Pontons zu den farbenfroh erleuchteten Ausflugsbooten am Ende des Piers sogar im mehr oder weniger fröhlichen Laufschritt. Offenbar hatte das pattayanische Verkehrschaos ihren Reisezeitplan durcheinandergefegt und sie hatten Mühe, den gebuchten Ausflugsdampfer pünktlich zu erreichen. Trotz ihres massenhaften Auftritts verbunden mit der raumgreifenden Ausbreitung – besonders im fußgängerischen Gegenverkehr – und der typisch chinesischen Geräuschkulisse wirken die Chinesen jedoch keineswegs martialisch. Ich finde es eher amüsant, die Gruppen zu beobachten. Ich ziehe mich ans Geländer des Pier zurück, rauche eine Zigarette und lasse sie an mir vorbeihetzen: vorneweg die jungen, aufstrebenden Streber-Touris, immer eng am Fahnenträger und darauf bedacht, alles, aber auch wirklich alles an Eindrücken und Infos mitzunehmen, um so das Optimum aus ihrem Thailand-Urlaub herauszuholen. Dann im Mittelfeld und etwas souveräner: Herr Wang und Frau aus der mittleren Oberschicht nebst der etwas beleibten unverheirateten Tochter, deren Mitgift jetzt halt beim Reisen verkonsumiert wird. Direkt neben ihnen die allzeit schnatternde Frauengruppe vom Mobilphone-Headquater in ihrer für westliche Augen außerordentlich geschmacklosen Freizeitkluft mit Blumenmuster, vermutlich Adler-Moden Factory-Outlet. Ganz am Ende der Gruppe und ihrer Kräfte: ein paar Ältere in Trainingsjacken, schwitzend, schnaufend, immer ein Schweißtuch griffbereit und teilweise oben nur noch mit Unterhemd bekleidet. Und noch hinter ihnen: die Sony-Supercam-Besitzer im „I-love-Thailand“-T-Shirt, die einfach nicht genug knipsen oder filmen können und daher stetig hinterherhinken auf der Suche nach der noch besseren Einstellung und dem richtigen Knöpfchen dafür an ihrer Cam.

Ich gestehe, es hat mich in gewisser Weise fasziniert, diese chinesischen Reisegruppen zu beobachten: „Meiers Weltreisen auf asiatisch“ sozusagen. Ich finde sie wahrlich nicht bedrohlich und es wundert mich auch nicht, in Asien auf asiatische Touristen zu treffen. Mir taten sie eher leid, wie sie da so durchgehetzt wurden und sich selbst hetzten. Nicht wenige sah ich übrigens weit vor Mitternacht schon wieder in ihren Fernreisebussen sitzen. Programm ist Programm. Egal, was abends in Pattaya noch los ist.

China Town Gate Bangkok

Auf einem meiner Flüge von China nach Bangkok – als ich die inneren Abläufe einer chinesischen Reisegruppe rund um mich herumsitzend noch etwas genauer studieren konnte – wurde mir allerdings klar, warum die meisten Chinesen so reisen. Und in Shanghai und Shenzhen – zum Beispiel -offerieren sich die offenkundigen Unterschiede einer chinesischen Stadt zu Bangkoks Chinatown und dem Rest von Thailand.

China ist – sagen wir mal – zumindest in den meisten Städten ein sehr aufgeräumtes und übersichtliches Land. Mit klaren und gelernten öffentlichen Verhaltensregeln und bekannten Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. Die Städte haben ihre kleinen, bunten Nischen, aber die sind eher keine Anlaufstellen für den neuen Mittelstand. Das Leben spielt sich in festen und gelernten Bahnen ab, die Halt und Sicherheit und Orientierung geben. Neue, unbekannte Situationen – zum Beispiel in einem Flieger oder noch mehr beim Gang über Pattayas Walkingstreet, Phukets Bangla oder Bangkoks Sukhumvit sind für Chinesen angesichts all der Buntheit, Vielfältigkeit und Unübersichtlichkeit, die Thailands Streetlife sich auch in den Jahren der Militärdiktatur bewahren konnte, eine echte Herausforderung.

Das geht nicht nur Chinesen so. Ich muss zugeben, dass ich mich bei meinem ersten Bangkok-Aufenthalt ebenfalls durch die überbordenden Eindrücke herausgefordert fühlte, auch wenn ich zuvor bereits in Städten wie Berlin lebte oder Städte wie Mumbai besuchte und ich daher gegenüber den Chinesen doch einen gewissen „Vielfältigkeitsvorsprung“ reklamieren würde.

Für Chinesen ist Thailand daher aus ihrem Blickwinkel nicht weniger exotisch und herausfordernd wie für manchen europäischen Ersturlauber. Und Chinesen – zuhause, bei der Arbeit und in der Freizeit ehedem stark als Teil einer Gruppe statt als Individuum sozialisiert – hilft es, die Herausforderung zusammen mit anderen zu meistern. So wie ihre Vorfahren in den China Towns. Deshalb ist es nicht unüblich, dass Chinesen auch im Urlaub gerne auf eine chinesisch geprägte Infrastruktur vom Reiseführer über die Unterkunft bis hin zum Essen zurückgreifen. Aber das tun viele Angehörigen anderer Nationen in den thailändischen Touristenhochburgen ja genauso. Sonst gäbe es ja nicht die vielen kleinen Nischen von „Klein Heidelberg“ und „Hotel König“ über „Bart´s Navy Bar“ bis „Madras Darbar Restaurant“ und dem „The Nashaa Club“ oder wie die jeweiligen nationalen Hotspots in den Touristenzentren auch immer heißen.

Shop für chinesische Medizin in Bangkoks China Town.

Sollten sich Chinesen übrigens mit der Erwartung eines Stücks heimatlicher Orientierung während ihres Thailand-Trips besonders auf den Abend in China Town freuen, werden sie vermutlich bitter enttäuscht sein. Zwar gibt es dort chinesische Tempel, chinesische Shops, chinesische Medizin und Mediziner und natürlich chinesische Restaurants, aber die Szenerie ist doch durch und durch thailändisch. Schön bunt. Schön laut. Schön chaotisch, farbenprächtig, stinkend und voller typischer, öffentlicher thailändischer Lebensfreude – gepaart mit Scharen von Touristen aus aller Welt, nicht nur aus China. Ehrlich gesagt, kommt mir Bangkok nirgendwo so thailändisch vor wie in Chinatown. Und Chinatown unterscheidet sich insofern wahrlich sehr von chinesischen Städten.

Die Chinesen sind also während ihres Thailand-Urlaubes definitiv stärker verunsichert und herausgefordert als andere Besucher. Vielleicht beruhigt das ja sogar den ein oder anderen europäischen Urlauber, der sich durch die anhaltend hohen chinesischen Buchungszahlen seinerseits verunsichert fühlt. Und: wenn man die Gelegenheit hat, mit Chinesen persönlich – zumeist mit Blicken, Händen und Füssen – zu kommunizieren, wird man feststellen, dass es sich in der Regel um ganz reizende, zurückhaltende und nette Menschen handelt. Nur Mut!

In China Town: Schön bunt. Schön laut. Schön thailändisch.

„Warum China kein Schnupfen ist. Oder: Stabilität und Innovation – das Yin und Yang des modernen China“

Mehr über China gibt es von mir auch in diesem Wirtschaftsreisebericht: https://sidesteps.home.blog/2019/12/01/von-anderswo-warum-china-kein-schnupfen-ist/

Bangkok: Streifzüge durch den Alltag

Bangkok ist nicht eine Stadt. Sondern unzählige. Eindrücke aus dem „daily life“ in meiner neuen Youtube-Fotoshow. Have a look!

Eine Youtube-Fotoshow über die „Stadt der Engel“

Bangkok ist immer wie eine Einladung an alle Sinne.

Bangkok kann schnell überfordern.

Bangkok ist immer wieder faszinierend.

Bangkok lässt dich nie wieder los.

Bangkok ist Bewegung.

Bangkok ist Begegnung.

Bangkok ist Bereicherung.

Bangkok ist hart.

Ist schön.

Ist eine Herausforderung.

Bangkok ist nicht eine Stadt.

Sondern unzählige.

Mach dich auf den Weg durch die Stadt.

Finde dein Bangkok.

Oder lass dich finden.

Mehr Augenblicke aus Bangkoks Alltag in meiner neuen Youtube-Slideshow:

Gesichter aus vier Wochen Thailand

Die Sonne schenkt mir am letzten Abend meiner vier Wochen in Thailand ein Extra-Spektakel: Sie versinkt vollständig im Meer, ohne vorher im Dunst zu verschwinden. Danke, #Thailand, für eine neuerliche gute Zeit im „Land des Lächelns.“

Die Sonne schenkt mir am letzten Abend meiner vier Wochen in Thailand ein Extra-Spektakel: Sie versinkt vollständig im Meer, ohne vorher im Dunst zu verschwinden. Danke, Thailand, für eine neuerliche gute Zeit im „Land des Lächelns.“

Wenige Stunden vor dem Rückflug hat mich die übliche Geschäftigkeit des Reisens und seiner Vorbereitung noch nicht erreicht. Denn noch sitze ich auf meiner Terrasse mit Blick auf die „Bay of Siam“ und versuche, die letzten Momente, in denen der Lauf des Sonne und das Geräusch der Wellen Bild und Takt bestimmen, zu bewahren. Und diese Momente in meinen Erinnerungen zu speichern, um sie vielleicht wieder abzurufen, wenn ich bald zurück im Nieselregen der deutschen Spätwinterzeit bin. Trotzdem freue ich mich auf Zuhause, auf mein „Geheischnis“ – wie der Saarländer so wundervoll lautmalt.

Vier Wochen Thailand, zehn Orte, über 2.000 Auto-Kilometer zwischen Sattahip und Bangkok, Chon Buri und Surin. Neues entdeckt und Altes wiedergesehen. Menschen getroffen – manchmal nur für Sekunden per Kameraobjektiv, manchmal für ein paar Stunden oder Tage persönlich. Ich habe mich bewusst dem Megacity-Life von Bangkok ausgesetzt und den Untiefen Pattayas. Ich habe die Ruhe, Abgeschiedenheit und Trägheit des Isaan genossen. Ich bin in den „normalen“ Alltag der Industriestadt Chon Buri eingetaucht. Und kehrte schließlich an „meinen Beach“ zurück, wo genügend Leben ist, um sich nicht zu langweilen, aber ausreichend Ruhe, die Muße und Entspannung garantiert. Das ist nicht überall in Thailand so. Mir ermöglicht dieser Platz einen Zustand und eine Phase des Glücks. Vorübergehend, natürlich, wie alles im Leben. Denn kaum hat diese Phase begonnen, so endet sie auch schon wieder. Panta rhei. Und alles ist endlich.

Ich habe ein paar Geschichten im Gepäck und einige Fotos aus Sattahip, Bang Sare, Ban Amphur, Jomtien, Pattaya, Bang Saen, Chon Buri, Bangkok, Sisaket und Surin. Die Fotos und die Geschichten dazu werde ich hier sukzessive veröffentlichen. Bis zu meinem nächsten Thailand-Trip.

Eine kleine Foto-Vorschau enthält dieser Blogbeitrag: Gesichter aus vier Wochen Thailand. Und wer mir bei Instagram oder Facebook unter http://www.instagram.com/sc_ontour bzw. www.facebook.com/stephan.schweitzer folgt, konnte schon ein paar Eindrücke, „making ofs“ und „behind the scenes“ meines Blogs und meiner kommenden Blog-Beiträge erhaschen.

Viel Spaß damit und bis bald auf mehr bei www.scontour.wordpress.com

P.S.:

Seit Ende Dezember 2018 gibt es diesen Blog. Zwischenzeitlich sind fast 13.000 Klicks und fast 5.000 Besucher gezählt. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich für dieses große Interesse bedanken. Damit hätte ich nie gerechnet und sehe dieses Interesse als Verpflichtung und Motivation, hier regelmäßig Neues über Thailand zu veröffentlichen. Feedback ist dabei jederzeit sehr willkommen. Hier, bei Facebook oder per Mail. Auch dafür: Danke.

Ban Amphur, 8.3. 2019

Talaad Thai: Auf den Märkten

Faszination der Vielfalt: Menschen, Farben, Gerüche. Waren, Speisen, Spektakel. Ein Marktbesuch in Thailand ist ein Erlebnis. Ob im tiefsten Isaan oder des Nachts mitten in Bangkok.

Natürlich gibt es hier das frittierte Ungeziefer. Angeblich schmackhafte Käfer, krosse Spinnen, Raupenchips. Aber ein Thai-Markt besteht nie nur aus diesen exotischen Leckereien, die es inzwischen als kleine Dschungelcamp-Experience in fast jede Thailand-TV-Reportage geschafft haben. In Wahrheit sind die thailändischen Märkte egal ob in einer Provinzstadt auf dem Land, in einem der unzähligen Stadtteile der Metropole Bangkok oder auch in geringer Entfernung zu den touristischen Zentren von Pattaya oder Phuket keine Show, sondern echte Versorgungszentren für die Thais im Alltag.

Es gibt allerdings auch die „inszenierten“ Märkte: Pattaya Floating Market südlich der Touristenstadt. Oder der noch bekanntere Damoen Saduak in der Region Bangkok. Aber die haben lange nichts mehr mit den echten Märkten zu tun. Und thailändischen Kunden wird man dort sicher nicht mehr begegnen. Viel zu teuer. Viel zu touristisch.

Selbstverständlich kann es dem „Farang“ auf einem authentischen Thaimarkt passieren, dass die Tomaten bei ihm stillschweigend eine Preisverdopplung erfahren gegenüber dem einheimischen Kunden, der sich soeben damit versorgte. Mag vorkommen. Wer sich eines einheitlichen Preises für alle sicher sein will, sollte in die großen Einkaufstempel BigC oder Tesco Lotus gehen.

Jene besondere thailändische Marktatmosphäre ist dort allerdings sicher nicht zu erleben, auch wenn die in diesen Zentren den Vollsortimentern vorgelagerten Shop Areas durchaus ebenfalls ihren Unterhaltungswert haben. Und von praktischem Nutzen sind, da dort viele Dienstleistungen – von der Bankfiliale über den Mobilshop bis hin zur Backstation europäischer Provenienz – zu finden sind.

Dennoch bleibt es dort bei der sterilen Air-Condition-Atmosphäre. Kein Schwitzen unter Plastikplanen, kein hungrig machender Geruch frisch gegrillter Fische, kein kühlender, frisch gebrühter Eiskaffee mit süßer Kondensmilch und Strohhalm aus Plastiktüten.

Das Angebot der „echten“ Tages- und Nachtmärkte Thailands ist meist geradezu überbordend. Wenn ich in Thailand ausnahmsweise mal in einem Hotel wohne und einen Markt besuche, finde ich das zumeist ziemlich ärgerlich. Zu groß ist die Verlockung frischer Waren oder bereits zubereiteter Köstlichkeiten auf dem Markt. Ich kann kaum widerstehen, freue mich, bald wieder Selbstversorger zu sein. Bis dahin verwöhnt mich der Blick aufs Geschehen, auf das wuselige, aber jederzeit entspannte Treiben, Handeln, Kommen und Gehen. Ich nehme die vielen lächelnden und freundlichen Gesichter wahr und versuche, angemessen zurückzulächeln. Ich bin dann kein Kunde, sondern fotografierender Beobachter und freue mich, wenn ich auf den Auslöser drücken darf auch ohne etwas zu kaufen.

Wie überall auf der Welt hat der Markt auch in Thailand nicht nur ökonomische Bedeutung. Er ist Treffpunkt, Nachrichtenbörse, Gerüchteküche und kulturelle Institution. Er ist Schauplatz für Feste, Aufführungen, politische Botschaften, persönliche Inszenierungen oder religiöse Bekenntnisse. Aber er ist nie Folklore, sondern in erster Linie ein Platz des Austausches und des Handelns. Übrigens nicht nur für „Food“, sondern oft auch für Textilien, Haushaltswaren, Nippes und alles was man sonst so auch im Einkaufszentrum mit Kreditkarte, aber mit weniger Unterhaltungswert kaufen könnte.

Die Fotos entstanden auf Märkten in Bangkok, Ban Amphur (Provinz Chon Buri), Bang Sare (Provinz Chon Buri), Ban Khanat Mon (Provinz Surin), Chong Chom (Provinz Surin), Pattaya und Sangkha (Provinz Surin).